Mythologie 

 

Sunn im Fels 

Früah is,  schlafen d´Farben no,  gra und starr und kalt

verborgen und do wissen´s  schon,  s´wead liachter werden bald, 

und all´s  wart,  und alls wart´ auf´d Sunn im Fels.

 

Schmale Kluft,  a bissl Erd´n,  iawandamoi a Reg´n,

aus dem kloanen Sam´ da wachst und bliaht se in des Leb´n, 

und was blüaht,  halt des G´sicht´ in d´Sunn im Fels.

 

Warm wead´s und die Luft sie steigt,  tragt Dache*  weit ins Blau.

Wermuatduft und Latschenzweig, Du sagst I war die Frau,

die Du gspüast,  die Du gspüast,  wia d´Sunn im Fels...    

   I.W. 2015     

* Dache - Dohlen

 

 


Mythos Die Saligen

Überall im Alpenraum gibt es sie, die Saligen und ihnen verwandte Wesen - wenn auch unter verschiedenen Namen. So findet sich etwa: Wildes Fräulein oder Antrische Dirn, Schneefräulein, Bergfrau, Fai oder Gana, (im ladinischen Gadertal),  Kistàna, Vivàna oder Vivèna (im Fassatal), Guana, Engùana oder Anguana, (im ampezzanischen und im Trentino). Im Fersental und in den zimbrischen Sprachinseln ist sie die Salinghe, die hailige Frau oder das seelighe baible.  Die  Salvària,  (Wilde) im Buchsteinischen kann sich auch in Tiere, z.B. in einen Fischotter verwandeln. Die  Diales im Engadin weisen manchmal Ziegenfüße auf. Im slawischen Raum finden sich die Vilen. Für den Begriff „salig“ gibt es unterschiedliche Deutungen: Im Althochdeutschen bedeutet salig soviel wie gut, gesegnet, glücklich. Nicht ganz geklärt ist, ob der Begriff mit „Seele“ im Zusammenhang steht, wofür sprechen würde, dass die Saligen in Latzfons früher beispielsweise als „Selige Seelen“ bezeichnet wurden. „Antrisch“ erinnert an  ans lateinische „antrum“ (Höhle)  und „entrisch“ wird mit der Bedeutung „unheimlich“ und „uralt“ verknüpft.

Ihr Heim:

Die Wohnstätte der wilden Frauen befindet sich gewöhnlich tief im Fels oder im Inneren der Erde.

So heißt es in einer Sage: 
"Im Tiroler Ötztal zwischen Kitzbühl und Unterastlen wohnten vor Zeiten wilde Fräulein. Sie hatten sich dort eine neun Stufen tiefe Höhle gegraben. Auch hatten sie einen eigenen Stein, auf dem sie sich sehen liessen und der deshalb "Frauenstein" hiess. Man sah sie oft auf demselben sitzen, wie sie ihre langen Haare kämmten und schöne Lieder sangen. Nahte sich ihnen ein Mensch, so zogen sie sich schnell in ihre Höhle zurück." 
Die Grotte, die Höhle, besonders die der wilden Frauen ist ein Ort der Ruhe, Stille und Geborgenheit. Die  unterirdische Höhle ist der regenerierende Raum, in dem alle zu neuer Kraft und zum innersten eigenen Wesen finden können. 

"Oberhalb von Hochsölden, auf der Hamracher Alm gibt es "Freilaslöcher". Das sind Löcher, die tief in den Boden hinuntergehen. Wirft man Steine hinunter, macht der Hall den Eindruck, als ob er eine Stiege hinunterführte, über die die Steine rollen, und zuletzt, wenn sie ganz unten ankommen, hört man einen Ton wie das Klingen eines Kessels." 

Höhlen - wie die Felsen überhaupt - sprechen auch durch die Klänge zu den Menschen. Wie in den Liedern der Saligen sagt der Schall etwas über die Entfernungen aus, über die Formen dessen, was sich jenseits befindet, über Gefahren und Gelegenheiten... Die alten Leute haben oft erzählt, dass sich in der Tiefe, am Ende der unterirdischen Treppen, die großen Kochtöpfe der Saligen befinden, denen man sich aber nur nähern darf, wenn man eingeladen ist. 

Die Wohnstätte der wilden Frauen zeugt von der Tiefe, von der Verbindung mit der Erde und der beständigen Festigkeit des Gesteins. Verbunden  mit dem sie umgebenden und schützenden Pflanzenreichtum, durch den sie ihre Lebensauffassung ausdrücken, wird diese Stätte  nur wenigen zugänglich gemacht und niemals jemandem, der sich mit Neugierde oder Neid nähert. 

„Liab, Liacht und Sunnawend“

Die Zeit der Fülle,  des Lichts und der Lebensfreude.  Sonnwendbuschen werden gebunden und das Johanniskraut entfaltet seine Heilkräfte. 

Spring übers Feuer,

Funken fliagn

S´Leb´n  hiatz und heuer möcht’ i liab’n

Leuchtkäferl  tanzt

und Fledermäus’

Zauberkraut  bliaht auf a neu’s,

spring übers Feuer,

Funken fliag’n

S´ Leb´n  wü

S´Leb´n  wü  Di liab’n.

I.W. 2014